Frankfurt Marathon ist Vereinstradition

Am Tag der Zeitumstellung fand mit dem Frankfurt Marathon der wichtigste Lauf in Hessen statt. Damit war es wie in jedem Jahr klar, dass der SC Steinberg wieder mit einigen Athleten vertreten sein musste. Immerhin ist es inzwischen schon Vereinstradition beim Marathon mitzuwirken, da der Verein nicht nur mit Läufern, sondern auch mit vielen Zuschauern und einem großen Helferteam vertreten ist.

Doch leider gingen weniger Vereinsmitglieder ins Rennen als sonst. Zum einen lag es an zahlreichen verletzungsbedingten Ausfällen, zum anderen aber auch an Starts in anderen Marathons. Das war ein Grund mehr für die Steinberger, einen guten Lauf zu machen, denn wenn man nur klein vertreten ist, probiert man das Beste daraus zu machen.

Am Start brach dann wieder das Marathonfieber aus, denn viele Emotionen wie Motivation, Vorfreude und Aufregung, aber auch Respekt und auch ein wenig Angst waren auf den Gesichtern der Läufer ablesbar. Würde Alles gut gehen? Immerhin waren 42,2 Kilometer, oder auch 26,2 Meilen zu bewältigen. Aber die erfahrenen Steinberger wussten, dass das nur Zahlen sind, von denen man sich nicht verrückt machen sollte, denn wenn man einfach die ganze Zeit einen Schritt nach dem anderen macht, kommt man schon irgendwann an.

Als der Startschuss fiel, versuchte jeder Steinberger sein persönliches Ziel zu erreichen. Bodo Hoffmann peilte 3:15 Stunden an und lief zügig los. Doch das kalte Wetter wurde ihm zum Verhängnis, da schon nach 15 km seine Muskeln verkrampften. Somit wurde ihm nach der Hälfte der Strecke klar, dass die 3:15er Marke nur noch im Traum möglich war. Doch obwohl die Muskeln schmerzten, gab er nicht auf und probierte den Lauf durchzuziehen, um zumindest noch sein Minimalziel (unter 3:30) zu erreichen.

Daniel Potapczuk, der eine interne Wette mit Bodo Hoffmann hatte, setzte sich 3:30 als Sollzeit. Doch er hatte ein großes Problem. Aufgrund einer Überlastung war er gezwungen, sich über die letzten zwei Monate in der Vorbereitung zu schonen. Daher war Laufen nur mit einer Kniebandage möglich, und realistisch rechnete er nur noch mit 3:40. Aber er ließ sich nicht unter Druck setzen, denn er wollte einfach nur an den Start gehen und sehen, wie weit er kommt. Er lief das erste Viertel mit viel Disziplin und passte auf, dass er niemals schneller oder langsamer war als der 3:30 Pacer. Bei einer Bergabpassage zog er jedoch das Tempo an, passte aber auf, dass es konstant blieb, indem er sich an andere Läufer orientierte. Der Wille immer weiter zu machen zahlte sich aus, da er bei Kilometer 33 sogar Bodo Hoffmann überholte uns immer noch gut unterwegs war.

Doch ab Kilometer 39 rächte sich die verkorkste Vorbereitung, so dass Bodo Hoffmann wieder an ihn ran kam. Somit waren beide kurz vor dem Ziel auf gleicher Höhe. Beide zogen das Tempo auf den letzten 300 Metern nochmal an, um ihre interne Wette zu gewinnen. Am Ende trennten die beiden Athleten nur 10 Meter. Auch wenn Bodo Hoffmann in 3:28:40 Stunden als erster die Ziellinie überquerte, hatte Daniel Potapczuk mit sensationellen 3:27:38 Stunden die schnellere Nettozeit auf der Uhr. Somit einigten sie sich in ihrer Wette auf ein faires Unentschieden.

Auch Miriam Kiefer hatte keine optimale Vorbereitung, da sie mit ihrer Tätigkeit als Jugendtrainerin nur wenig Zeit hatte, den Fokus auf den Marathon zu legen. Dann brachte das Wetter sie auch noch durcheinander, denn wenige Minuten vor dem Start musste sie kurzfristig ihre Kleidung der Kälte anpassen. Dennoch sprach alles dafür, dass sie ihr anvisiertes Ziel von 3:45 erreichen würde, denn sie teilte sich das Rennen gut ein und überholte auf dem letzten Viertel auch den 3:45 Pacer. Doch dann musste sie hart beißen. Ausgerechnet auf den letzten 8 km – also dort, wo die Läufer müde werden und der eigentliche Marathon erst richtig losgeht – kämpfte sie gegen den starken Wind, der sie bremste. Ihr Ehrgeiz aber sorgte dafür, dass sie weiterhin ein gutes Tempo hielt und das Ziel in der Festhalle in einer neuen persönlichen Bestleistung von 3:43:07 Stunden erreichte.

Mit eher gemischten Gefühlen ging Steven Brauer an den Start. Zwar hatte er viel Vorfreude, doch da dieses Jahr sein Laufpartner Andrew Potapczuk ausfiel, mit dem er den Liverpool Marathon schon im Frühjahr bestritten hatte, war ihm auch bewusst, dass er diesmal als Einzelkämpfer antreten musste. Da eine Erkältung seine Vorbereitung ein wenig versaute, lief er die erste Hälfte etwas langsamer, um auf Sicherheit zu gehen. Nachdem er die Halbmarathonmarke passierte, ging es ihm noch richtig gut. Somit merkte er, dass er das Tempo ab diesem Zeitpunkt ohne weitere Probleme verschärfen konnte. Die letzten Kilometer lief er wie im Rausch, überholte Hunderte von Läufern und schaffte sogar einen sogenannten „Negative Split“. Doch damit nicht genug: Mit 4:03:26 Stunden durfte sich Steven Brauer über eine neue Bestzeit freuen.

Für Erich Storz ist ein Marathon nur eine Mitteldistanz. Vor zwei Monaten lief er noch den 100 Meilen Mauerlauf in Berlin. Leider hatte er dadurch nur noch Ausdauer und musste sich die Schnelligkeit erstmal wieder zurück holen. Auch wenn das Auswirkungen auf seine Zeit von 4:05:19 Stunden hatte, war das nicht weiter schlimm, denn Frankfurt ist als Heimspielmarathon immer ein Erlebnis wert.

Antun Kramaric hatte nur ein Ziel. Er wollte sich selbst beweisen, dass er wieder die ganze Distanz bewältigen konnte. Antun Kramaric sagte selber, dass es alles nur Kopfsache und nur der Wille entscheidend ist. Nur wenn man seine Nerven bewahrt, wird man auch im Ziel belohnt. Mit seinem starken Willen schaffte er es 5:51:54 Stunden ins Ziel und behielt recht.

Aber der SC Steinberg schickte nicht nur Läufer über die volle Distanz an den Start, sondern auch eine Jugendstaffel. Diese bestand aus Kevin Petry, Lena Dettki, Chiara Kaiser und Keanu Petry. Das Team funktionierte gut, es gab keine Probleme beim Wechseln und alle waren schnell unterwegs. Gemeinsam als Team warteten die anderen drei auf den Schlussläufer Keanu Petry, um die letzten Meter mit allen zusammen zu bewältigen. Am Ende freute sich das Team über schöne 3:23:53 Stunden und Platz 70 in der Mixed-Wertung.

Im Minimarathon über 4,2 Kilometer starteten insgesamt 11 Jungs und Mädchen vom SC Steinberg. Alle genossen den Event, denn sie hatten die gleiche Stimmung und den gleichen Zieleinlauf wie die Großen. Somit machte der Minimarathon allen Spaß und die Leistungen sprachen auch für sich.

Insgesamt zeigte der Marathon dem Verein eine Sache: Egal wie schlecht die Vorbereitung läuft, kann man mit Disziplin und Willensstärke trotzdem eine Superleistung erzielen, denn am Ende zählt nur das, was am Tag der Tage passiert. Da alle einen guten Job machten, war der Frankfurt Marathon ein großer Erfolg. Aber die Läufer danken auch den zahlreichen Fans vom SC Steinberg, denn ohne deren Unterstützung, wären diese guten Zielzeiten wahrscheinlich nicht herausgesprungen.

Zuletzt muss aber auch noch erwähnt werden, dass der SC Steinberg ein großes Team von Helfern auf die Beine stellte. Ihre Aufgabe bestand wie in den Jahren zuvor wieder darin, die Verpflegung für alle Helfer vorzubereiten, die in Frankfurt beim Marathon im Einsatz waren.